À propos

Ein zweiter Blick
auf die zweite Stadt

WARUM ?

Der Süden Luxemburgs und die direkt benachbarte Region jenseits der Grenze zu Frankreich haben durch ihr industrielles Erbe die Region zu einem Ort der Begegnung zwischen Menschen aus ganz Europa gemacht. Nord und Süd sind hier aufeinandergetroffen, die Migrationsbewegungen aus Italien, dann aus Portugal haben unverkennbare Spuren in der Entwicklung der Region innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft hinterlassen, die weiterwirken. Auch in unsere Zukunft hinein. Der sozioökonomische Wandel, die Transformation von einer Industrie- in eine Wissensgesellschaft, wie er mit dem Umzug der Universität nach Belval einhergeht, stellt die Region vor neue Aufgaben. Hier liegt die Zukunft des Landes und unsere gemeinsame Aufgabe ist es, sie zu gestalten. Von der roten Erde zu den grauen Zellen, von den „terres rouges“ zur „matière grise“. Eine Kulturhauptstadt ist die ideale Möglichkeit, die großen Herausforderungen unserer Zukunft neu zu denken und weitreichende Perspektiven zu eröffnen, und das weit über den Begriff Kultur im engeren Sinn hinaus. Kultur muss neu überdacht, neu formuliert und als ein zentraler Bestandteil der gesellschaftlichen Entwicklung wahrgenommen werden. Die Kultur ist ein Bürgerrecht, an dem alle mitgestalten. Deshalb ist die Kandidatur für Esch und die Südregion in erster Linie ein partizipatives Projekt. Unabhängig von Herkunft, Alter, Bildung und Geschlecht.

GEBIET
ECoC 2022

TERRITOIRE ECOC 2022

Das Ziel, unser Kulturhauptstadtjahr als ein partizipatives Projekt zu gestalten, steht nicht für sich allein. Ganz im Gegenteil. Dazu gehört, die noch so junge Universität in ihrem regionalen Umfeld zu verankern. Dazu gehört, dass wir für die Industriebrachen, die unsere Region prägen, Vergangenheit und Zukunft verbindende Konzepte entwickeln. Dazu gehört, dass Kultur aus dem Exil der Einrichtungen befreit wird und stärker im öffentlichen Raum stattfindet. Dazu gehört, die Digitalisierung unserer Gesellschaft positiv zu nutzen. Dazu gehört, die Professionalisierung des kulturellen Sektors voranzutreiben. Dazu gehört, viele Träume zu haben. Und sie zu teilen.

Die Widersprüche, die unser Land prägen, sind in ihrem tiefsten Kern europäische. In Vielfalt geeint, wie es immer wieder heißt, ist ein wunderbarer Leitspruch, an dem kontinuierlich gearbeitet werden muss. Das erleben wir hier im luxemburgischen Süden alltäglich. Doch wir sind davon überzeugt, dass nicht nur unsere Vergangenheit, sondern vor allem auch unsere Zukunft darauf aufgebaut werden muss.

Denn in all diesen Widersprüchen, Spannungsfeldern und Herausforderungen liegt ein unermessliches Potenzial an Kreativität, das es zu fördern gilt. Deshalb möchten wir die Kultur ins Zentrum unserer Gesellschaft bringen und ihre transversalen Kräfte nutzen.Kaum eine Region ist in Europa denkbar, wo sich eine mögliche Zukunft unseres Kontinents besser und deutlicher erahnen lässt als in Esch und dem Süden Luxemburgs. Hier entwickelte sich der Prozess der europäischen Einigung vor dem Hintergrund der Kriegserfahrung im Rahmen der Montanunion. Hier fiel dieser Prozess auf seinen denkbar fruchtbarsten Boden, da er in der Vermischung der Kulturen und Mentalitäten einen idealen Nährboden fand.

about

In der heutigen Zeit, mit einem Europa in der Krise, in der der Wolf im Schafspelz des Nationalismus daherkommt, müssen wir zwei Dinge auf einmal tun, um ein positives Zeichen für die Entwicklung Europas in der Zukunft zu setzen: die Grundwerte der europäischen Einigung wiederfinden und sie mit einer neuen Vision Europas vermischen. REMIXING EUROPE.

Wir setzen mit unserer Kandidatur bewusst eine Gegenposition zu den in immer mehr Teilen Europas und der Welt zu beobachtenden vielfältigen Xenophobien und erneuten kulturellen Aus- und Abgrenzungen. Denn wir behaupten, dass die Zukunft Europas in der denkbar radikalsten Vermischung seiner Kulturen und derer aller anderen liegt. Dies zu zeigen, gelingt an kaum einem anderen Ort besser als im luxemburgischen Süden, dem alten industriellen Herz einer Region mit über 120 verschiedenen Nationalitäten.

REMIX CULTURE ist unser Prinzip und gleichzeitig unsere Strategie.

Indem wir sagen, dass die Vermischung der Kulturen die adäquate Form der Kulturverschiebung ist, schaffen wir eine politische Aussage, die ihre Wurzeln in ihrer Region hat. Esch ist dann der ideelle Mittelpunkt Europas, gegründet auf Kohle und Stahl in einer von Menschen gestalteten Industrielandschaft. Wo, wenn nicht hier, in jenem verbindenden Blick auf die Vergangenheit in die Zukunft, können wir Antworten auf die Fragen finden: Wozu brauchen wir (noch) Europa? Wo stehen wir in der Globalisierung? Gibt es eine Chance für eine politische Einigung und sollte sie bis zum Ural reichen?

strategie remix culture